Fundstückchen

Was genug ist, ist niemals zu wenig.

Quelle: Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 119. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924)

DER ENGEL DER VERSÖHNUNG

Der Engel der Versöhnung soll Dich befähigen, Dich erst einmal mit Dir selbst auszusöhnen. Viele Menschen leben heute unversöhnt. Sie können sich nicht damit aussöhnen, dass ihr Leben anders verlaufen ist, als sie es geplant hatten. Sie hadern mit ihrem Schicksal, mit den Enttäuschungen, die ihnen das Leben bereitet hat. Sie liegen mit sich selbst im Streit. Sie können sich selbst nicht bejahen. Sie möchten sich gerne anders haben, intelligenter, erfolgreicher und liebenswerter. Sie möchten besser aussehen. Sie haben ein ganz bestimmtes Bild von sich, dem sie gerne entsprechen möchten. 

Das Wort Versöhnung kommt vom mittelhochdeutschen süene und meint: Schlichtung, Friede, Kuss. Und es klingt noch die Bedeutung mit: "still machen, beschwichtigen". Sich mit sich selbst versöhnen heißt also: Frieden stiften mit mir selbst, einverstanden sein mit mir, so, wie ich geworden bin. Den Streit schlichten zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und Wünschen, die mich hin und her zerren. Die Spaltung aufheben, die sich in mir auftut zwischen meinem Idealbild und meiner Realität. Die aufgebrachte Seele beruhigen, die sich immer wieder auflehnt gegen meine Wirklichkeit. 

Und es heißt, das küssen, was mir so schwer fällt, meine Fehler und Schwächen küssen, zärtlich umgehen mit mir selbst, gerade mit dem, was meinem Idealbild widerspricht. Da muss mir schon ein Engel zu Hilfe kommen, damit die Versöhnung mit mir selbst gelingt, damit ich wirklich Ja sagen kann zu meiner Lebensgeschichte, zu meinem Charakter, zu dem, was ich an Last und Belastung mitbekommen habe. 

Nur wenn ich mit mir selbst versöhnt bin, kann ich auch daran denken, Menschen in meiner Umgebung, die mit mir und mit andern im Streit liegen, zu versöhnen. Menschen, die in sich gespalten und unversöhnt sind, werden auch um sich herum Spaltung hervorrufen. Es gibt heute viele fromme Menschen, die ihre innere Spaltung nach außen tragen. Weil sie ein zu hohes Idealbild haben, spalten sie alles Dunkle in sich ab. Und das müssen sie dann auf die andern projizieren. Sie sehen dann in den andern ständig den Teufel oder irgendwelche Dämonen. Sie müssen die verteufeln, die nicht nach den Normen der Kirche leben, die nicht ihren eigenen Vorstellungen einer christlichen Moral entsprechen. Weil sie den Teufel im eigenen Herzen abgespalten haben, sehen sie ihn überall in ihrer Umgebung. Um solche Menschen herum entsteht Spaltung. Die einen sind begeistert, dass da endlich jemand kommt, der sich traut, die Wahrheit zu sagen. Die andern spüren, dass da etwas Krankes und Spaltendes von ihnen ausgeht, und sie wenden sich von ihnen ab.

Der Apostel Paulus versteht den Dienst der Christen gerade als Dienst der Versöhnung. Gott selbst hat uns den Dienst der Versöhnung übertragen (Vgl. 2 Kor 5,18). Der Engel der Versöhnung will Dich zu einem Boten der Versöhnung machen, nicht indem Du überall Versöhnung forderst und anmahnst, sondern indem Du Versöhnung stiftest. Versöhnung heißt nicht, dass Du alle Konflikte um Dich herum mit einem frommen Mantel zudeckst, dass Du alle Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen harmonisieren möchtest. Das verwechseln viele mit Versöhnung. Aber in Wirklichkeit können sie Konflikte nicht aushalten. Sie bekommen Angst, wenn nicht alles um sie herum harmonisch ist. Sie werden erinnert an Situationen in der Kindheit, die sie verunsichert haben, etwa Ehestreitigkeiten, die für sie bedrohlich waren, weil sie ihnen das Gefühl von Geborgenheit und Heimat geraubt haben. 

Versöhnen heißt schlichten. Und schlichten heißt ebnen, einen Weg ebnen zwischen den verschiedenen Parteien, eine Brücke bauen zwischen den sich widerstreitenden Gruppen. Aber es heißt nicht, alles einebnen, alles harmonisieren. Die Standpunkte dürfen bleiben. Aber sie bekämpfen sich nicht mehr. Es gibt eine Brücke, auf der die beiden Parteien wieder miteinander kommunizieren, auf der sie wieder aufeinander zugehen können.

Bevor Du andere miteinander versöhnen willst, bevor Du den Streit schlichten kannst zwischen verfeindeten Gruppen in Deiner Nähe, musst Du zuerst mit Dir selbst versöhnt sein. Und Du musst in Versöhnung mit den Menschen in Deiner Nähe leben. Auch das bedeutet nicht, dass Du um den Preis der Einheit alle Deine Gefühle und Bedürfnisse unterdrücken sollst. Im Gegenteil, wenn Du um des Friedens willen Deinen Arger unterdrückst, wirst Du nie wirklich versöhnt sein mit dem, über den Du Dich geärgert hast. Du musst Deine Gefühle ernst nehmen. Und Du darfst Deine Gefühle nicht bewerten. Sie haben alle ihren Sinn. Wenn Du Dich ärgerst über Deine Arbeitskollegen, so hat das einen Sinn. Der Arger ist der Impuls, etwas zu verändern oder etwas anders zu sehen. Wenn ich mich im Gespräch mit jemandem ärgere und den Arger dann fromm unterdrücke, so vergiftet das die Atmosphäre. Wenn ich den Arger angemessen anspreche, ohne ihn zu bewerten, so kann der Arger etwas klären. 

Der Ärger zeigt oft, dass der andere nicht wirklich das sagt, was er denkt und fühlt, sondern um den heißen Brei herumredet. Wenn ich meinen Ärger äußere, biete ich dem andern die Möglichkeit, bei sich selbst noch einmal kritisch hinzuschauen. Ich biete ihm eine Brücke an, auf der wir ehrlicher und besser kommunizieren können. Aber entscheidend ist, dass ich nicht unbedingt Recht haben möchte, sondern den andern achte und mit ihm Versöhnung möchte. Versöhnung heißt, den andern ernst nehmen, aber auch mich selbst mit meinen Gefühlen ernst nehmen. 

Versöhnung hat auch eine politische Dimension. Unversöhnte Menschen spalten nicht nur die Menschen um sich herum. Die Spaltung geht weiter. Sie prägen die Stimmung im Land. Sie bestätigen die Vorurteile gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden. Und sie schaffen eine Atmosphäre, in der man gegen Fremde und Fremdartige gewaltsam vorgeht. So will der Engel der Versöhnung Dich zu einem Sauerteig der Versöhnung machen für unsere Welt. Wenn Du in Deinem Reden versöhnt bist, wird von Dir auch Versöhnung ausgehen. Dann werden sich in Deiner Nähe Ausländer und Randgruppen angenommen fühlen. Dann wirst Du keine Spaltpilze säen, sondern ein Senfkorn der Hoffnung und Versöhnung.

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann

Burkhard Heidenberger schrieb zum Thema „Geschichten & Weisheiten“:

Der folgende beeindruckende Text wird Charlie Chaplin zugeschrieben. Er soll ihn zu seinem
70. Geburtstag geschrieben haben. Allerdings gibt es keine eindeutigen Quellennachweise, die belegen, dass dieser Text tatsächlich von ihm stammt.

 

Vertrauen

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschah, richtig ist. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich, das nennt sich Vertrauen!

Selbstachtung

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, wie sehr es jemanden beschämt, ihm meine Wünsche aufzuzwingen, obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif noch der Mensch dazu bereit war und auch wenn ich selbst dieser Mensch war. Heute weiß ich, das nennt sich Selbstachtung!

Authentisch-Sein

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich, das nennt man Authentisch-Sein!

Reife

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war. Heute weiß ich, das nennt man Reife!

Ehrlichkeit

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwickeln. Heute mache ich nur, was mir Spaß und Freude bereitet, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo. Heute weiß ich, das nennt man Ehrlichkeit!

Selbstliebe

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das gesunden Egoismus, aber heute weiß ich, das ist Selbstliebe!

Einfach-Sein

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, hörte ich auf, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt, das nennt man Einfach-Sein!

Vollkommenheit

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, immer weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick, wo alles stattfindet. So lebe ich jeden Tag und nenne es Vollkommenheit!

Herzensweisheit

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam mein Verstand einen wichtigen Partner, diese Verbindung nenne ich Herzensweisheit!

Das ist das Leben

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich, das ist das Leben!